Pflege lebt von Menschen, die mit Fachwissen, Empathie und einer klaren Stimme für ihre Profession einstehen. Einer von ihnen ist John Victor Lopes, Pflegefachkraft, Praxisanleiter und mittlerweile einer der sichtbarsten Corporate Influencer in der deutschen Pflege. Mit über 100.000 Followern erreicht er monatlich Millionen Menschen und zeigt, wie moderne Kommunikation die Wahrnehmung eines ganzen Berufsstandes verändern kann. Im Gespräch mit myo erzählt John, warum Pflege für ihn Berufung ist, welche Rolle Social Media in der Fachkräftegewinnung spielt und wie digitale Tools den Arbeitsalltag erleichtern können. Zugleich macht er deutlich, warum die Sichtbarkeit von Pflege selbst ein zentraler Schritt für mehr Anerkennung und Mitbestimmung im Gesundheitssystem ist.
Wer bist du und was machst du genau?
Ich bin John Victor Lopes, 38 Jahre alt, Pflegefachkraft, Praxisanleiter und mittlerweile Corporate Influencer in der Pflege. Mein Weg führte mich von der direkten Pflegearbeit bis hin zur Social-Media-Kommunikation beim größten Pflegeheimbetreiber Norddeutschlands. Ich habe ein einzigartiges Konzept entwickelt, das Pflegepraxis mit moderner Kommunikationsstrategie verbindet, also Pflege nicht nur zeigt, sondern erklärt und verändert. Dieses Konzept wurde inzwischen vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem ARD Morgenmagazin und dem ZDF heute journal aufgegriffen. Plattformübergreifend erreiche ich über 100.000 Follower und mehrere Millionen Aufrufe pro Monat, mit Inhalten, die zeigen, wie Pflege wirklich ist: fachlich, menschlich und mit Haltung.
Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, in die Pflege zu gehen?
Ich wollte etwas machen, das Sinn hat. Mein Zivildienst war für mich ein Wendepunkt, der Augenblick, in dem ich begriff, dass mich nichts so erfüllt wie die Arbeit nah am Menschen. Die Ehrlichkeit hinter jeder Interaktion, der Humor in den Begegnungen. Die Arbeit gab mir das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. All diese Faktoren haben für mich früh den Unterschied gemacht. Ich ging in die Pflege aus Leidenschaft und vollster Überzeugung, dass das mein Weg ist.
Welche Erinnerungen prägen deine Zeit in der direkten Pflege?
Auf jeden Fall der Teamgeist. Wenn es ernst wird, zählt das gemeinsame Handeln und dieses Gefühl, sich blind aufeinander verlassen zu können. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Gleichzeitig sehe ich die Bewohner:innen und Patient:innen: ihre Dankbarkeit, das gemeinsame Lachen, die emotionalen Momente, die im Alltag oft größer sind als jede fachliche Herausforderung. Sowas vergisst du einfach nie. Es prägt dich.
Welche Aspekte deines Berufes liegen dir besonders am Herzen?
Für mich hängt viel am Nachwuchs. Ausbildung und Kommunikation sind zwei Felder, die eng miteinander verbunden sind. Junge Menschen wollen keine Hochglanzkampagnen sehen, sie wollen die Realität gezeigt bekommen. Wir können neue Pflegekräfte nur gewinnen, indem wir ehrlich erzählen, wie vielseitig, schön und anspruchsvoll der Pflegeberuf wirklich ist. Pflege muss deshalb wegkommen von veralteten Rollenbildern und endlich so dargestellt werden, wie sie ist: professionell, kompetent und unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
Wie würdest du die aktuelle Pflegesituation in Deutschland beschreiben?
Professioneller, aber auch anstrengender. Neben des Personalmangels sind die Anforderungen an Qualität und Bürokratie in die Höhe gestiegen. Es gibt so viel Arbeit und so wenige fachlich ausgebildete Pflegekräfte. Das zeigt sich auch in der Ausbildung. Die Pflegewissenschaft entwickelt sich stetig weiter, jedoch fehlen Zeit und Ressourcen, um professionelle Pflege wirklich auszuleben. Und das macht etwas mit einem Beruf, der eigentlich von Beziehung lebt.
Was sind derzeit die größten Herausforderungen in der Pflege?
Zu wenig Zeit für echte Pflege und zu wenig Verständnis dafür, was den Beruf im Kern ausmacht. Statt Mitleidsnarrativen braucht die Pflege eine moderne, respektvolle Kommunikation, die die fachliche Expertise und die echte Bedeutung des Berufes sichtbar macht. Auch die Tatsache, dass wir als größte Berufsgruppe es nicht schaffen, uns zu organisieren und gemeinsam zu kommunizieren, ist ein Problem, das geklärt werden muss. Mitspracherecht ist nur dann möglich, wenn Pflegekräfte sich in Verbänden, Kammern oder Gewerkschaften zusammenschließen und aktiv handeln.
“Pflege ist kein Helferberuf, sondern professionelles Arbeiten mit Verantwortung.“
– John Victor Lopes
Wie kam es dazu, dass du deine Erfahrungen auf Social Media geteilt hast und in die Pflegekommunikation gegangen bist?
Die Idee kam aus einer Mischung aus Frust und Mut. Ich war es leid, dass über Pflege geredet wird, aber nie mit Pflegenden selbst und meistens negativ. Also begann ich damit, typische Situationen zu filmen. Meine Videos trafen einen Nerv und aus spontanen Clips wurde ein Kommunikationsstil, der heute bundesweit Beachtung findet. Ich erkannte, wie groß die Wirkung digitaler Inhalte sein kann und war einer der Ersten, die gezeigt haben, dass Pflege eine Stimme hat, die gehört werden muss. Ich brachte die Idee, Social Media als echte Kommunikations- und Recruitingstrategie zu nutzen, bei meinen Vorgesetzten ein. Sie unterstützten mich und daraus entstand Schritt für Schritt ein Berufsfeld, das es so in Deutschland kaum gibt.
Was motiviert dich besonders in deiner Rolle?
Wenn ich merke, dass ich etwas bewege: Nachrichten von Azubis, die wegen meiner Videos eine Ausbildung begonnen haben oder von Pflegekräften, die sich endlich repräsentiert fühlen. Das sind die Momente, die mich antreiben. Es geht mir nicht nur um bloße Reichweite, sondern darum, ein Berufsfeld sichtbar zu machen, das gesellschaftlich noch immer sehr stark unterschätzt wird. Wenn die Videos Millionen Menschen erreichen und Bewerbungen bei uns eingehen, die direkt daraus entstanden sind, erfüllt mich das sehr. Es ist für mich der Beweis, dass Kommunikation mehr kann als reine Imagepflege. Sie kann ganze Strukturen verändern. Es kommt eben nur darauf an, wie wir über Dinge sprechen. Regelmäßig authentische und professionelle Pflege zu zeigen ist daher ein Muss.
Warum ist dir die Sichtbarkeit der Pflege so wichtig?
Weil Pflege zu lange unterbewertet wurde. Pflege ist kein Helferberuf, sondern professionelles Arbeiten mit Verantwortung. Sichtbarkeit verändert die Bilder im Kopf und verbessert langfristig die Arbeitsbedingungen. Wenn Pflege öffentlich präsent ist, mit echten Menschen, fachlicher Expertise und realen Geschichten, entsteht ein Bewusstsein dafür, was Pflegende täglich leisten. Keine Mitleidskampagnen, sondern ehrliche Einblicke und positive Beispiele. Viele Menschen wissen schlichtweg nicht, wie komplex dieser Beruf ist, welche Entscheidungen Pflegekräfte treffen und wie viel Fachlichkeit dahintersteckt. Genau deshalb ist Sichtbarkeit mehr als ein nettes Extra: Sie ist ein Hebel für Anerkennung, für politische Mitbestimmung und letztlich auch für bessere Rahmenbedingungen.
Wie können Pflegeeinrichtungen von Pflegekommunikation profitieren?
Pflegeeinrichtungen können durch die deutlich höhere Sichtbarkeit im Recruiting und der verbesserten Arbeitgebermarke profitieren. Ich bin der Meinung, dass Authentizität Kampagne schlägt. Bewerber vertrauen echten Menschen, nicht Werbeslogans von Unternehmen. Wenn Pflegende als Menschen in ihrer Professur sichtbar werden, entsteht Glaubwürdigkeit, die in Zeiten des Fachkräftemangels Gold wert ist. Social Media ist dann das Werkzeug, um Menschen zu erreichen und den Pflegeberuf attraktiver zu machen.
Und was bedeutet das für das Gesundheitssystem insgesamt?
Sichtbarkeit bedeutet politisches Gewicht. Pflege muss endlich als professionelle Stimme wahrgenommen werden, sowohl in der Praxis als auch in politischen Entscheidungen. Dafür braucht es Organisation und Beteiligung. Ich möchte, dass Pflegekommunikation ein anerkanntes Berufsfeld wird. Nicht nur ein Experiment, sondern ein fester Bestandteil in jeder Einrichtung.
Wie können die sozialen Medien da helfen?
Die Sozialen Medien schaffen Nähe und erreichen genau die Zielgruppe, die Pflege so dringend braucht: junge Menschen. Es liegt an uns, wie wir den Beruf vermitteln und nach Außen präsentieren. Wenn du siehst, wie Pflege wirklich abläuft, was sie leistet und wie viel Professionalität, Vielseitigkeit dahintersteckt, verändert das etwas in der Gesellschaft.
Welche Erfahrungen hast du bisher mit digitalen Tools gemacht?
Ich kenne beide Seiten: Pflege mit Klemmbrett und Pflege mit Tablet. Ich bin Fan von allem, was den Alltag erleichtert und Pflegekräfte entlastet – und digitale Lösungen sind eine Entlastung. Wenn Tools wie myo Kommunikation strukturieren, Transparenz schaffen und Beziehungen stärken, profitieren sowohl die Pflegeteams als auch die Bewohner:innen und Angehörigen gleichermaßen. Das sollte für die Zukunft der neue Standard sein.
Wo liegen die Chancen und Risiken wenn es um die Digitalisierung der Pflege geht?
Technik darf unterstützen, aber nicht kontrollieren. Wenn man mehr klickt als pflegt, läuft etwas falsch. Für mich ist entscheidend, dass digitale Lösungen Zeit schaffen und nicht Zeit rauben, denn diese Zeit ist kostbar, besonders im Kontext der aktuellen Pflegesituation in Deutschland.
Wie können digitale Tools wie myo konkret helfen?
Vor allem in der Langzeitpflege ist die Kommunikation mit den Angehörigen eine essenzielle Ressource. Sie fördert die emotionale Nähe und reduziert Gefühle der Einsamkeit für die Bewohner:innen. Das Ziel ist es, einen effizienten Informationsfluss zwischen allen Beteiligten in einem komplexen Gefüge wie dem Pflegealltag zu schaffen. Das spart am Ende Zeit und fördert die soziale Nähe und Pflegequalität.
Was wünschst du dir für die Zukunft der Pflege?
Mehr Vertrauen, weniger Bürokratie und mehr Mut, Dinge auszuprobieren. Pflegekräfte brauchen Perspektiven, die ihnen Raum zum Gestalten geben. Denn Pflege ist eine Wissenschaft, die von der Praxis lebt. Ohne Gestaltungsfreiheit, Offenheit und Zeit für Perspektiven geht Fortschritt verloren.
Welche Botschaft gibst du Pflegekräften und Azubis mit?
Bleibt laut. Bleibt echt. Für mich ist Pflege eine bewusste Entscheidung, eine, die man mit Stolz treffen kann. Wenn du in deinem Umfeld positiv über den Beruf sprichst, veränderst du ihn mit. Stell dir vor, jeder würde das machen.
Wie kann man dich und die Pflege am besten unterstützen?
Wenn wir kommunizieren, wie wichtig und sinnstiftend dieser Beruf ist, dann schaffen wir eine Bewegung, die Pflege stärkt und Menschen für diesen Weg begeistert. Pflege hat die Kraft zu heilen und zu bewegen und wir haben die Verantwortung, sie darin zu unterstützen: Indem man hinschaut, zuhört und mitredet. Pflege betrifft uns alle, nicht erst dann, wenn man sie selbst braucht. Sie ist ein Teil unseres Lebens, das war sie schon immer. Sich für die Pflege einzusetzen bedeutet, die Arbeitsrealität anzuerkennen, sich für faire Bedingungen starkzumachen und die professionelle Kompetenz der Pflege sichtbar zu machen. Es bedeutet auch, jungen Menschen Mut zu machen, diesen Weg zu gehen und erfahrenen Pflegekräften Wertschätzung, Rückhalt und Zukunftsperspektiven zu geben.
„Wenn Tools wie myo Kommunikation strukturieren, Transparenz schaffen und Beziehungen stärken, profitieren sowohl die Pflegeteams als auch die Bewohner:innen und Angehörigen gleichermaßen. Das sollte für die Zukunft der neue Standard sein.“
– John Victor Lopes
John Victor Lopes zeigt eindrucksvoll, wie moderne Kommunikation die Pflege nachhaltig verändern kann. Sein Ansatz verbindet fachliche Expertise mit Authentizität und digitaler Moderne und eröffnet damit eine neue Form der Wertschätzung für Pflege und Pflegekräfte. Gleichzeitig macht er deutlich, wie wichtig digitale Anwendungen wie myo, die App für Angehörigenkommunikation, Pflegekräfte entlasten können und für mehr Wertschätzung sorgen.
Pflege braucht Sichtbarkeit, Mut und echte Gestaltungsspielräume. Genau diese Sichtbarkeit ist ein entscheidender Schlüssel dafür, wie Pflege zukünftig verstanden und anerkannt wird. Wenn Pflegekräfte ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Erfolge sichtbar machen, wächst auch das gesellschaftliche Verständnis für ihren unverzichtbaren Beitrag. Wenn die gesellschaftliche Anerkennung steigt, wächst auch die Bereitschaft neuer Fachkräfte, diesen Beruf zu ergreifen und motiviert bestehende Pflegekräfte ihren Beruf weiterhin auszuführen. Digitale Lösungen und klare Kommunikationsstrukturen können zudem entlasten und wertvolle Zeit zurückgeben, die aktuell durch die Personalknappheit verloren geht. Auf die Weise entsteht Schritt für Schritt ein Arbeitsumfeld, das die Pflegequalität verbessert, die Pflegekräfte in ihrer Arbeit stärkt und langfristig dazu beiträgt, den Personalmangel zu verringern.